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Programm

16:00 Uhr

Podiumsgespräch mit anschließender Diskussion

Das Podiumsgespräch bildet den Auftakt und die inhaltliche Hinführung für den folgenden Fachtag. Die Beteiligten präsentieren mit ihrer Expertise verschiedene Handlungsfelder und gesellschaftliche Dimensionen: Wo stehen wir aktuell? Welche Kontinuitäten und welcher Wandel sind im Verhältnis von extremer Rechter und Antisemitismus zu beobachten? Was sind Gründe und Strukturen, die eine derart breite Anschlussfähigkeit von antisemitischem Gedankengut bis hin zu terroristischen Anschlägen fördern? Welche Ansätze gibt es im Bereich der Prävention?

Im Gespräch

Dr. Christiane
Nischler-Leibl
Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS)
Leiterin Abteilung VI „Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention“
Alexandra
Dratva
Verein für Aufklärung und Demokratie (V.A.D. e.V.)
ehrenamtliches Vorstandsmitglied
Alexandra Dratva ist aufgewachsen in Hannover und hat nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr Lehramt in Heidelberg studiert. Sie engagiert sich während des Studiums beim Bund jüdischer Studierender Badens, u.a. als Präsidentin. ...
Dr. Matthias
Pöhlmann
Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), Evangelischer Theologe und Publizist
Dr. Matthias Pöhlmann, Kirchenrat und Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, München. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Erlangen, Heidelberg und München von 1999 bis 2011 Wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin....
Monty
Ott
Politik- und Religionswissenschaftler, Aktivist und Publizist
Monty Ott ist Politik- und Religionswissenschaftler und forscht zu queer-jüdischer Theologie. Er schreibt Artikel zu tagespolitischen Themen, so in der taz, der ZEIT, der Jüdischen Allgemeinen, der Berliner Zeitung und der WELT, in denen er explizit Position zu Antisemitismus, Erinnerungskultur und Queerness bezieht....
Dr. Mirjam
Zadoff
Historikerin, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München
Dr. Mirjam Zadoff ist seit 2018 Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Zuvor war sie Professorin für Geschichte und Inhaberin des Alvin H. Rosenfeld Chairs in Jewish Studies an der Indiana University Bloomington....

Moderation

Shahrzad
Osterer
Shahrzad Osterer ist Journalistin, Autorin und Moderatorin und beschäftigt sich seit vielen Jahren in ihrer Arbeit u.a. schwerpunktmäßig mit den Themen Antisemitismus und Rassismus. ...
09:45 Uhr
Einführung

Antisemitismus begegnet uns in allen Teilen der Gesellschaft. In extrem rechten Organisationen und Akteursgruppen ist er jedoch ein zentraler identitätsstiftender Bestandteil. Er knüpft an historische Vorläufer an, ändert aber immer wieder seine Ausprägung: mitbestimmt durch gesellschaftliche und politische Bedingungen passt er seine Formen dem jeweiligen Zeitgeist an. Mit erschreckender Kontinuität und Anzahl sind Anfeindungen, Bedrohungen, gewaltsame Übergriffe und Anschläge auf jüdische Menschen, Einrichtungen und Organisationen gesamtgesellschaftliche Realität.

Der Fachtag geht der Frage nach, welche unterschiedlichen Dimensionen und Handlungsräume es im Engagement gegen extrem rechten Antisemitismus gibt. Wie kann nicht nur reagiert, sondern ein wirksamer und nachhaltiger Rahmen geschaffen werden, um antisemitische Einstellungen und Handlungen als solche zu erkennen, zu benennen und diesen
entschieden entgegen zu treten?
Shahrzad Osterer
Bayerischer Rundfunk (BR)...
10:00 Uhr
Keynote

„Kontinuitäten, Wandel und aktuelle Entwicklung im Feld Rechtsextremismus und Antisemitismus“

Antisemitismus ist ein zentrales weltanschauliches Element des Rechtsextremismus – ungeachtet der konkreten rechtsextremen Strömungen. Er äußert sich aber je nach rechtsextremer Strömung unterschiedlich. Gemeinsamkeiten und Differenzen im rechtsextremen Milieu werden vor diesem Hintergrund historisch rekonstruiert und in ihren aktuellen Ausprägungen dargestellt.
apl. Prof. Dr. Samuel Salzborn
Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus
Samuel Salzborn hat Politikwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Rechtswissenschaft studiert und in Politikwissenschaft promoviert und habilitiert. 
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11:15 Uhr
Vortrag

Antisemitismus - Ein Blick auf Bayern aus der Praxis

Die inhaltliche Arbeit der LKS und der Fachstellen im Beratungsnetzwerk Bayern gegen Rechtsextremismus sind immer auch ein Spiegel gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen. Als eine tragende Säule extrem rechter Ideologie ist der Antisemitismus ein Dauerthema. Anhand von Beispielen bietet der Vortrag Einblicke in die Verbreitung antisemitischer Inhalte und Informationen zu Vorfällen und Akteur*innen. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer Ereignisse entsteht so ein Bild der aktuellen Situation in Bayern.
Nicola Hieke M.A.
Einrichtungsleitung Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS)
Nicola Hieke beschäftigt sich seit 2008 mit dem Aufbau und der strategischen Weiterentwicklung von Beratungsmaßnahmen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Bayern.
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13:15 Uhr
Handlungsräume
Engagierte aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen berichten über ihre Erfahrungen und Perspektiven. Sie diskutieren mit den Teilnehmenden: über antisemitische Konfrontationen, über den Umgang mit diesen, über Möglichkeiten aktiv zu werden sowie über Gelingensbedingungen von persönlichem, beruflichem und zivilgesellschaftlichem Engagement.

Um einen möglichst offenen Austausch zu gewährleisten wird dieser Veranstaltungsteil nicht aufgezeichnet. Eine aktive Teilnahme ist hier sowohl über die Chatfunktion als auch durch direkte Wortbeiträge möglich. Die Teilnehmendenanzahl ist entsprechend beschränkt. Sie erhalten entsprechend Ihrer Anmeldung einen Zugang zum jeweiligen Handlungsraum.

Kommunale Handlungsräume

Kommunen sind in den vergangenen Monaten immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, wenn es um Formen antisemitischer Massenproteste oder andere antisemitische Artikulationen im öffentlichen Raum ging. Nicht nur deshalb gilt es, auch in diesem Handlungsraum in aller Deutlichkeit und Klarheit Antisemitismus entschieden entgegen zu treten. Dazu bedarf es neben einem Zusammenwirken möglichst vieler Akteur*innen vor Ort vor allem auch nachhaltiger Konzepte, die in konkreten Situationen Handlungssicherheit schaffen. Insbesondere ist es notwendig, durch geeignete Maßnahmen wie Kooperationen, Begegnungsmöglichkeiten, Veranstaltungen und Initiativen im Sozialraum eine Atmosphäre zu schaffen und zu befördern, die Antisemitismus in jeder Form ächtet.
Roman Schaffner, Patrick Nitzsche & LKS Bayern
Roman Schaffner von der Partnerschaft für Demokratie Straubing sowie Patrick Nitzsche, Antisemitismusbeauftragter der Stadt Bamberg, berichten von Herausforderungen und Aktivitäten im Gespräch mit der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS). 
1

Die Rolle von Betroffenenperspektive(n)

In der breiten Öffentlichkeit wird der alltägliche Antisemitismus und die davon ausgehende Bedrohung oft nur im Zusammenhang mit der Dokumentationsarbeit verschiedener Monitoring-Stellen wahrgenommen. Die Strategien und Umgänge von (potentiell) Betroffenen dieser antisemitischen Gewalt und Bedrohung hingegen werden gesellschaftlich weniger stark rezipiert. Um Diskussionen abseits von Zahlen oder Täter*innengruppen mehr Raum zu geben, steht die Suche nach Handlungsperspektiven und Strategien der Selbstermächtigung Betroffener von antisemitischer Gewalt im Zentrum dieses Panels. Es wird hierzu ein Gespräch zwischen Ruben Gerczikow und eine*r Mitarbeiter*in der Beratungsstelle B.U.D. geben.
Ruben Gerczikow & B.U.D. Bayern
Ruben Gerczikow ist Autor und Publizist. Ende des Jahres 2022 veröffentlicht er gemeinsam mit Monty Ott das Buch "'Wir lassen uns nicht unterkriegen' Junge jüdische Politik in Deutschland". ...
2

Intersektionalität von Ideologien: Antisemitismus und Sexismus im Rechtsextremismus

Dass sowohl Antisemitismus als auch Sexismus zentrale Bestandteile rechtsextremer Weltanschauungen sind, wurde vielfach herausgestellt. Weniger oft gerät in den Blick, wie die beiden Ideologien sich überschneiden, verstärken und bis zu einem gewissen Grad gegenseitig vertreten können. Aus gesellschaftstheoretischer Perspektive fokussiert der Input die Schnittstellen von Antisemitismus und Sexismus bzw. Antifeminismus und ihre Bedeutung für autoritäres Gemeinschaftsdenken. Dabei werden die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Geschlechtervorstellungen innerhalb rechtsextremer Strömungen sowohl in historischen als auch aktuellen Ausprägungen herausgestellt.
Der Input soll in erster Linie einen theoretischen Einblick in das Konzept der Intersektionalität von Ideologien in Bezug auf Rechtsextremismus geben. Auf dieser Grundlage können wir gemeinsam diskutieren, inwiefern das Wissen über die vielfachen Überschneidungen von Antisemitismus und Sexismus auch für die Praxis relevant ist.
Gesche Gerdes
Gesche Gerdes hat einen Masterabschluss in Geschlechterforschung und promoviert über die Intersektionen von Misogynie und Antisemitismus in der sogenannten Incel-Ideologie. ...
3

Monitoring antisemitischer Vorfälle - RIAS Bayern

Rund 20 Prozent der seit dem Bestehen von RIAS Bayern dokumentierten antisemitischen Vorfälle wurden durch eigenes Monitoring bekannt. Nicht nur im Bereich der extremen Rechten, sondern auch bei antisemitischen Vorfällen mit anderen ideologischen Hintergründen, etwa aus der verschwörungsideologischen Szene oder dem antiisraelischen Aktivismus, steigert zivilgesellschaftliches Monitoring die Sichtbarkeit von Antisemitismus als Alltagsproblem und hilft dabei, Veränderungen der Äußerung antisemitischer Inhalte in der Öffentlichkeit abzubilden. Auch werden antisemitische Inhalte häufig erst durch das Monitoring be- und erkannt und Überschneidungen etwa mit Rassismus, Sexismus oder Homophobie sichtbar. Anhand einiger Zahlen und Fälle wird die Relevanz von zivilgesellschaftlichem Monitoring am Beispiel Antisemitismus dargestellt und erörtert, welche Handlungsmöglichkeiten die dabei gewonnenen Ergebnisse eröffnen.
Nikolai Schreiter
Nikolai Schreiter ist Mitarbeiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Bayern (RIAS Bayern) mit Schwerpunkt Monitoring antisemitischer Vorfälle.
4

Was tun gegen Antisemitismus und Verschwörungsdenken im persönlichen und beruflichen Nahbereich?

Antisemitische Verschwörungsmythen kursieren und „faszinieren“ Menschen nicht erst seit den aktuellen globalen Herausforderungen wie Pandemie, Klimakrise oder Krieg. Als einfache Erklärungsmuster für komplexe Zusammenhänge erfahren sie jedoch derzeit einen breiten Zuspruch. Personen, die sich der extremen Rechten zuordnen, aber auch solche, die sich eher in der „gesellschaftlichen Mitte“ verorten, erklären mithilfe von Verschwörungserzählungen sich und anderen die Welt. Sie orientieren sich in ihrem Handeln an diesen und pflegen oftmals neue soziale Beziehungen oder „kapseln sich ab“. Dies stellt Angehörige oder Freund*innen vor große Herausforderungen und führt häufig zu Überforderungen. Auch pädagogische Fachkräfte, die eng mit den betreffenden Personen zusammenarbeiten, fragen sich, wie sie sich positionieren und die Beziehung gestalten können. Für die jeweiligen „Anhänger*innen“ haben antisemitische Verschwörungserzählungen hierbei eine spezifische Funktion. Diese Wirkmechanismen zu verstehen, hilft dabei, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Diesem Ansatz möchten die Beratungsstelle NinA NRW und die Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus (F.U.E.R.) aus ihrer jeweiligen Beratungspraxis heraus gemeinsam mit den Teilnehmenden nachgehen.
Lisa Meusel (NinA NRW) & F.U.E.R.
Lisa Meusel ist Sozial- und Theaterpädagogin und arbeitet im Projekt NinA NRW als Ausstiegsberaterin. NinA NRW wird u.a. von Demokratie leben! gefördert und unterstützt seit 2009 Jugendliche und Erwachsene aus der extremen Rechten bei Ausstiegs- und Distanzierungsprozessen....
5

Gegen jeden Antisemitismus: zivilgesellschaftliches Handeln

Ob Proteste gegen antisemitische und israelfeindliche Veranstaltungen, Vortragsreihen oder niedrigschwellige Aufklärungsarbeit an Schulen und der Universität: Das „Junge Forum“ der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ in Regensburg ist vielfältig aktiv. Aus welcher politischen Richtung der Antisemitismus dabei kommt, spielt keine Rolle. Nadine Randak vom „Jungen Forum“ stellt die Arbeit der Organisation vor. Mit ihr spricht Jan Nowak von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus“
Nadine Randak, Jan Nowak
Nadine Randak ist Beisitzerin im Vorstand des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Regensburg.
Jan Nowak ist Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern und schwerpunktmäßig für die Bezirke Niederbayern und Oberpfalz zuständig.
6
14:45 Uhr
Blitzlichter aus den Handlungsräumen

Mitwirkende der einzelnen Handlungsräume berichten von den Impulsen und Diskussionen der einzelnen Panels. Welche Bedarfe haben sich gezeigt? Was sind die Gelingensfaktoren für persönliches, zivilgesellschaftliches und berufliches Engagement gegen Antisemitismus? Wie kann es gelingen, die Perspektiven von Betroffenen nicht aus dem Blick zu verlieren und Sichtbarkeit dafür zu schaffen? Wie kann Handlungsfähigkeit in den unterschiedlichen Feldern gestärkt und ausgebaut werden?
CC